Zuhause wohnen dank intelligenter Technik

Die Schweizer Bevölkerung wird immer älter. Bis im Jahr 2030 wird jede vierte Person in der Schweiz über 65 Jahre alt sein, rund 700’000 gar über 80 Jahre. Dabei ist das Bedürfnis gross, möglichst lange, möglichst unabhängig in den eigenen vier Wänden zu wohnen (Stichworte: „zuhause alt werden„, „ageing in place“ und „ambulant vor stationär„). Dabei hilft nicht nur die passende bauliche Gestaltung der Wohnung (Stichwort: Hindernisfreiheit), sondern immer mehr auch die Integration von smarter (Gebäude-)Technik. Denn hat man eine Technik in der Wohnung, die mitdenkt, mithilft und unterstützt, lässt es sich länger eigenständig und doch bequem leben. Das Stichwort hier heisst AAL.

Ambient Assisted Living (AAL), zu Deutsch etwa umgebungsunterstütztes Leben, meint das Einrichten einer unterstützenden, intelligenten Umgebung. Fenster, die sich selber öffnen und schliessen, Raumtemperaturen, die sich selbständig anpassen, Beleuchtungen, die sich ein- und ausschalten oder zentral regeln lassen  – erinnert alles an das Konzept von Smart Homes (wer mehr dazu erfahren möchte, sei der Blog von unseren Mitstudentinnen empfohlen, insbesondere auch ihr Beitrag zu AAL). In der Tat haben die Konzepte viele Berührungspunkte. Bedeutet die sensorgesteuerte Regelung von Raumklima, Beleuchtung, Unterhaltung etc. besonders auch für ältere Menschen eine angenehme Entlastung, bieten die intelligenten Assistenzsystemen (das müssen keine Roboter sein) in AAL-Umgebungen zusätzliche aufs Alter zugeschnittene Unterstützung.

Da es unzählige Projekte, Produkte und Ideen gibt, stelle ich im Folgenden das Projekt DALIA (Daily Life Activities at Home) vor. Durchgeführt wurde es 2012-2016 von einem internationalen Konsortium, beteiligt war auch das iHomeLab der Hochschule Luzern (weitere AAL-Projekte hier). Das ziemlich hohe Ziel des Projekts lautet:

“It is estimated that in 2060 more than a quarter of the European population will be older than 65 years. Consequently, more people will become care-dependent. In most of the cases relatives take the biggest share in caring for their beloved. However, taking care of relatives is often connected to burdens. With our solution DALIA we want to solve that problem.”

Doch wie stellen sie sich das vor? Die Lösung des Problems: ein persönlicher virtueller Assistent. Integriert in ein individuell anpassbares System (abrufbar auf Tablet, Smart TV…), ist er die zentrale Ansprechperson. Dank seiner menschlichen Erscheinung und dank seiner Fähigkeit per Sprache zu interagieren, senkt er die Hemmschwelle gegenüber der Technik und soll vor allem intuitiv bedienbar sein – auch für Personen die nicht technikaffin sind. DALIA fasst in einer einzigen Plattform verschiedenste Anwendungen zusammen. Diese gehen von E-Health-Anwendungen (Gesundheitstracking, Medikamenteübersicht), über Kommunikations- und Erinnerungsfunktionen (Telefon, Kalender) und einer Notruffunktion (die selbst Stürze erkennt) bis zu einer anpassbaren Toolbox (z.B. Lokalisieren von verlorenen Dingen). Authorisierte Personen, wie Verwandte, Pflegepersonal, medizinische Dienste, können schnell und einfach auf Daten zugreifen bzw. in das System eingreifen.

Zentral bei vielen AAL-Umgebungen ist, dass es sich um selbstlernende, mitdenkende und integrierte Systeme handeln. Sie bieten nicht nur massgeschneiderte Problemlösungen an, sondern binden oftmals auch weitere Personen und Dienstleister ein (wie Verwandte, Nachbarn, Sicherheitsunternehmen, telemedizinische Zentren). Wichtig ist aber, all die Sensoren, Tools und Dienstleistungen sind nicht für das gute Gewissen von Angehörigen gedacht, sondern sie sollen den Senioren und Seniorinnen, die mit ihnen leben und ihre Wohnung teilen, ein selbstbestimmtes, sicheres Leben ermöglichen. Die Akzeptanz des Systems ist daher wichtig, aber durch das steigende Interesse von älteren Menschen an Internet, PCs und Co. wird der Markt für die Entwicklung von smarten Lösungen für den Smart Senior bedeutsamer und aussichtsreicher. Der Gewinn an Lebensqualität und Selbstbestimmtheit überwiegt dann auch die permanente Überwachung – jedenfalls nach Jäkel (2015, S. 65-73).

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