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In den meisten der vergangenen Blogbeiträgen ging es um Senioren und Seniorinnen, die das Internet und neue Technologien nutzen, die neue Chancen erhalten und die Herausforderungen annehmen. Ziel des Blogs war es nicht zuletzt zu zeigen, dass Alter und Technologien kein Gegensatz sind (das ist zu oft einfach ein Vorurteil der «Jüngeren»). Doch was ist mit den sogenannten Offliner? Die keinen PC, kein Smartphone, geschweige denn einen Internetanschluss haben? Das soll am fiktiven Beispiel der 81-jährigen Martha gezeigt werden.

Martha ist verwitwet, ihre Kinder leben alle nicht mehr in der Nähe. Gesundheitlich ist Martha noch ziemlich fit, ihren Haushalt führt sie selber. Internet? Einen Computer? Nein, das braucht sie nicht für ein glückliches Leben. Aber: Firmen die Leistungen nur noch online, oft um Kosten zu sparen, die Menschen durch Automaten ersetzen, machen ihr ihr Leben doch schwerer als es sein müsste. Sie hat niemanden, der für sie online gehen könnte.

Wenn Martha mit dem Zug fahren möchte, muss sie ein Ticket am Automaten lösen. Einen bedienten Bahnhofschalter gibt es schon lange nicht mehr. Damit ist sie nicht alleine: Jährlich schliessen Ticketschalter, reduzieren ihre Öffnungszeiten oder ihre Anzahl an Schaltern. Argument: Tickets können ja am Automaten oder online gelöst werden. Gut gibt es da Kurse um zu lernen wie man den solche Automaten bedient. Trotzdem ist Martha froh, wenn sie eine Mehrfahrtenkarte hat und dem Automaten aus dem Weg gehen kann. Will sie dann mal ihre Tochter in Deutschland besuchen, muss sie am nächsten Bahnhofsschalter doch eine Weile anstehen, eine Auftragspauschale von 10 Franken bezahlen (die bei einem Online-Kauf entfällt) und dabei auf die Sparangebot der SBB (die gibt es nur online) verzichten.

Bei Ihrer Bank kann Sie (noch) kostenlos am Schalter Geld holen und ihre Kontoauszüge werden kostenlos nach Hause geschickt. Doch das kann sich ändern, wie die Beispiele von Banken zeigen, die ihren Online-Banking-Kunden verbilligte Konditionen anbieten, die für Besuche am Schalter und Einzahlungen Gebühren verlangen oder die papierene Kontoauszüge verrechnen. Diese Entwicklung ist nicht nur auf Banken beschränkt: auch andere Unternehmen, Dienstleistungsbetriebe und  Ämter belasten Personen ohne Internetzugang immer mehr Gebühren für Dienstleistungen und Angebote: Rechnungen, die kosten ist nur eines der Beispiele. Oder sie bieten schlichtweg keine Zugangsalternativen.

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Weiterführende Information zu den eidgenössischen Abstimmungen – online abrufbar

Foto: Carina Burch

Hört oder sieht Martha im Fernsehen, in Radiobeiträgen oder in Werbungen Hinweise, wie  «mehr erfahren Sie unter www….», «Besuchen Sie uns unter www…», bleibt ihr der Zugang zur weiteren Information und Teilhabe verschlossen. Martina Fink, von der ProSenectute, warnte anlässlich der Veröffentlichung der Studie Digitale Senioren: „Es besteht ein Risiko, dass es für Leute ohne Internet-Anschluss zusehends schwieriger wird, an offizielle Informationen oder Gesundheitspräventions-Programme heranzukommen“.(swissinfo.ch, 2015)

Falls Martha mal nicht mehr so gut zu Fuss sein wird, kann sie sich nicht mal Nahrungsmittel, aber auch anderes, über die meisten Online-Shops wie coop@home liefern lassen – bestellen kann nur wer ein Online-Konto hat und online bestellt. Es gäbe noch unzählige weitere Beispiele, doch hier soll erstmal Schluss sein.

Das was Martha widerfährt ist kein Randgruppenphänomen, sondern bezeichnend für die digitale Zweiklassengesellschaft. Die digitale Kluft diskriminiert auch Seniorinnen und Senioren ohne Internetzugang. Auch wenn manche darauf bauen, dass sich diese Kluft „auswachsen“ wird (die Internetnutzung nimmt mit jedem Jahr zu), braucht es, bis es denn so weit ist, (bessere) Übergangslösungen. Dabei sind alle Unternehmen, Dienstleister und amtlichen Stellen gefordert, ihre internetlose, technikfremde Kundschaft auch in Zeiten der digitalen Wirtschaft nicht zu vergessen. Damit auch Martha ein gleichberechtigter Teil dieser Gesellschaft bleibt.

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