App in ein gutes Leben!

Apps, diese kleine Helferchen, die auf Smartphones, Tablets und Co. das Leben von Millionen von Menschen unterstützen, bereichern und ausfüllen. Apps, die es für (fast) alle Lebenslagen gibt und das oft noch in vielen verschiedenen Versionen. Apps, die es in einer unwahrscheinlichen Fülle gibt – in den beiden führenden App Stores von Apple und Google finden sich weit über eine Million Apps. Und doch: Apps für Senioren sind rar.

Natürlich können Senioren und Seniorinnen die Millionen vorhandenen Apps nutzen (und sie machen es auch!), natürlich ist ein Grossteil der Apps (von der Game-App bis zur Kalender-App) für alle Generationen gedacht und gemacht – doch warum wird nur selten auf Bedürfnisse dieser Altersgruppe eingegangen? Der Anteil der über 65-Jährigen, die in der Schweiz ein Smartphone oder Tablet haben steigt (Seifert/Schelling 2015). Da liegt ein grosses Potenzial für den App-Markt ziemlich brach. Florian Hübner, Entwickler der App «Seniorenchat» erklärt das so:

Denn Hübner hat schnell erkannt, dass sich das Angebot von Apps für Senioren in engen Grenzen hält und es sich um ein „für viele Unternehmen unattraktives Segment“ handelt: „Der Markt ist relativ groß, aber es fokussiert sich alles auf die Jugend.“(merkur.de, 29.3.16)

Ich habe mich für unsere Schulung selber auf die Suche nach spezifischen Apps für Senioren gemacht und habe dabei doch einiges erfahren, aber auch begriffen. Hier einige der vorgestellten und diskutierten Apps:

  • Are you okay?: Mit dieser App können durch einen Klick vordefinierte Meldungen wie(«Not well», «fine» etc.) an einen eingestellten Kreis von Personen versendet werden.
  • Magniscope: Durch die Kamera Text wie mit einer Lupe vergrössern? Idee ist gut, funktioniert leider nicht zuverlässig und braucht ziemliche Übung.
  • Silverline: Beispiel einer vereinfachten, integrierten Bedienungsoberfläche. An einem zentralen Ort sind alle wichtigen Funktionen versammelt. Hilfreich für Neulinge, die nur die eingeschränkten Möglichkeiten eines mobilen Geräts nutzen möchten.
  • Silver Surf: Browser für Senioren. Die Symbole sind zwar grösser, die zu grosse Anzahl an Symbolen, die Verzerrung der Webinhalte und Mängel in der Bedienung machen die gute Idee aber zunichte. Weniger wäre mehr.
  • My Secretary: Gute, einfach bedienbare Speech-to-text-App, die ein flexibles Weiterleiten der Nachrichten ermöglicht.
  • NZZ E-Paper: als Beispiel der vielen Lese-Apps (Bücher, Zeitschriften, Zeitungen). Die Bedienung ist ziemlich einfach. Leider ist die maximale Schriftgrösse relativ klein.
  • Tablet Basics: Gut gemachtes, geführtes Einführungs-Tutorial in die Bedienung des iPads. Nur in Englisch verfügbar.
  • Neuronation: Gedächtnistraining-App. Nicht nur für Senioren, macht allen Spass.

Erkenntnis

Doch welche Bedürfnisse haben Senioren und Seniorinnen eigentlich? Das herauszufinden, war das Ziel des Projekts MOBISENIORA. Neben den inhaltlichen Aspekten der Apps, so sind Medizin, Gesundheit, Wohnen und Kontakte wichtige Themen (und hier muss die Entwicklung von speziellen Apps ansetzen), ist vor allem die Bedienbarkeit der Apps entscheidend (Amann-Hechenberger et al. 2015). Die im Rahmen des Projekts entstandene Guideline für die App-Entwicklung macht deutlich, dass es um lesbare Schriften, klare Benutzerführung, einfache Texteingabe, leicht erkennbare, gut zu treffende Icons und Links sowie Hilfestellung innerhalb der App geht. Wünschen wir uns das nicht alle?

«Passt man Apps an die Bedürfnisse von SeniorInnen an, erhöht das die einfache Bedienbarkeit für ALLE Zielgruppen.» (Mobiseniora.at)

mHealth als Chance für Senioren

Das Internet dient heute vielen Menschen als Informationsquelle, wenn es um Themen der Gesundheit geht. Kaum einer, der noch nicht nach Symptomen gegoogelt, Gesundheitsforen besucht, nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten gesucht oder einfach bei Wikipedia ein Krankheitsbild nachgeschlagen hat.  Gesundheits- und Medizin-Apps, Self-Tracking-Armbänder und Smartwatches sind allgegenwärtig. Wir messen damit unsere Schritte, unsere Kalorienzufuhr, unseren Schlaf und verwalten unsere Gesundheitsdaten. Darum und noch um einiges mehr geht es bei mHealth, das für mobile Health, also mobile Gesundheit, steht und von der WHO wie folgt definiert wird:

„(…) medical and public health practice supported by mobile devices, such as mobile phones, patient monitoring devices, personal digital assistants (PDAs), and other wireless devices. mHealth involves the use and capitalization on a mobile phone’s core utility of voice and short messaging service (SMS) as well as more complex functionalities and applications including general packet radio service (GPRS), third and fourth generation mobile telecommunications (3G and 4G systems), global positioning system (GPS), and Bluetooth technology.“

Wer sich ausführlicher mit dem Thema mHealth und eHealth befassen will, dem sei der Blog about eHealth unserer Mitstudierenden empfohlen oder die Studie der WHO, aus der das Zitat stammt.

Aktuelle Studien haben nicht nur gezeigt, dass Senioren und Seniorinnen im Internet nach Gesundheitsthemen suchen, sondern auch, dass sie immer mehr mobile Geräte wie Smartphones und Tablets nutzen. Da ist der Schritt zur Gesundheit- oder Medizin-App nicht weit. Zumal mHealth eine Chance sein kann, wenn es darum geht selbständiger zu sein und in den eigenen vier Wänden bleiben zu können. Eine App kann vieles; sie erinnert an die Medikamenteneinnahme oder setzt bei einem Sturz automatisch einen Notruf ab, sie ist ein digitaler Diabetes Assistent, der nicht nur die Werte überwacht sondern auch Ernährungstipps gibt, sie erfüllt eine Tagebuchfunktion zum einfachen festhalten und überprüfen von Gesundheitswerten oder ist einfach ein Ansporn zu mehr Bewegung und Fitness. Darüber hinaus kann der Einsatz von Apps auch die Kommunikation mit Ärzten vereinfachen. Im folgenden werden drei mHealth Produkte vorgestellt, die für die ältere Generation entwickelt wurden. Weitere Informationen wie Testberichte zu mHealth Produkten bietet die Plattform HealthOn.

Im Rahmen einer kleinen Studie wurde die App My Therapy getestet. Sie bietet nebst der Funktion eines Medikamenten-Weckers auch eine Möglichkeit zur Dokumentation von Vitalwerten und des Therapieverlaufs. 30 chronisch kranke Senioren benutzen sie während vier Wochen. Die Ergebnisse zeigten, dass nebst dem Ziel der regelmässigen Medikamenteneinnahme sich auch das psychische Wohlbefinden der Patienten und Patientinnen verbesserte.

Bei der neu entwickelten App B-Cared handelt es sich um eine Notruflösung für alleinlebende Senioren und Seniorinnen. Es ist als Ersatz für das Notrufarmband gedacht. Auf drei verschiedene Arten kann der Notruf ausgelöst werden: automatisch, mittels eingebautem Sturzsensor, manuell und ebenfalls automatisch, falls der OK Button zur vorgesehenen Zeit nicht gedrückt wird. Diese App funktioniert auch wenn das Smartphone defekt ist oder keine Internetverbindung besteht.

Smartwatches, die zu den Wearables gehören, lassen sich einzeln oder in Verbindung mit anderen Geräten im mHealth-Bereich einsetzen. Bereits heute gibt es zahlreiche Apps aus dem Gesundheitsbereich, für diese Devices. Im März 2016 wurde ein Patentantrag von Apple gutgeheissen. Mit diesem System soll eine Smartwatch mittel Pulsmsessung in der Lage sein, einen Herzinfarkt zu erkennen und selbständig einen Alarm auszulösen.

Wie immer im Gesundheitswesen ist nichts ohne Risiken und Nebenwirkungen.  Aus der riesigen Fülle von Angeboten, die Richtigen zu finden ist nicht einfach. Nicht alles, was als Gesundheitsapp daher kommt, ist auch gesund. Nebst den grossen qualitativen Unterschieden ist auch richtige Umgang mit den Geräten und Apps wichtig.

„Weil allein sein doof ist“ – Partnersuche für Senioren im Internet

Mit dem Slogan «Allein sein ist doof» wirbt die Online Datingplattform date a rentner seit Frühjahr 2016 um Singlefrauen und -männer 60plus. Die Plattform ist eine von mittlerweile vielen Singlebörsen, welche sich speziell an die reifen Semester wenden. Genannt werden sie «reife Persönlichkeiten» (zweiterfruehling.ch), «Erwachsene in ihren besten Jahren» (datearentner.ch), «Singles der Generation 50plus» (date50.ch), oder «Senioren und Singles ab 50» (50plus-treff.ch). Die Zielgruppe ist jeweils die gleiche: Ältere Menschen, welche sich nach Trennung, Spätscheidung oder Verwitwung nach einer festen Partnerschaft oder Bekanntschaft sehnen.
Laut der Studie «Der Online-Dating Markt in der Schweiz 2014-2015» begaben sich 2015 monatlich rund 660‘000 Schweizer online auf Partnersuche, gut 15% mehr als noch 2012. Der Anteil der Silver Surfer nimmt dabei stetig zu. Sie profitieren von den neuen Möglichkeiten der virtuellen Partnerkataloge besonders.

Die Singlebörsen unterscheiden sich in den Kosten und der Sicherheit bzw. der Seriosität. Zweiteres ist für die ältere Generation der Onliner ein sehr wichtiges Kriterium. So erstaunt es denn auch wenig, dass bei date a rentner „Qualität und Sicherheit gross geschrieben werden, sämtliche Profile geprüft und die Daten sicher auf einem Schweizer Server liegen.“ Weiter versichert die Plattform, dass es bei ihnen „keine versteckten Kosten und keine Abofallen“ gebe. Bei so viel geprüfter Sicherheit kann ja wenig schiefgehen – meint man. Trotzdem kommt es immer wieder zu unschönen Überraschungen. So berichtet beispielsweise eine 71jährige Schweizer Online Dating Nutzerin von einem «sehr begabten Charmeur», welcher neben Rosen und vielen Schmeicheleien «erstaunlich schnell auf den Wert ihres Wohn- und Ferienhauses zu sprechen kam sowie auf den möglichen Erlös bei einem allfälligen Verkauf der beiden Immobilien»…. (Keel, 2015, S.13).

Bevor wahllos eine Plattform ausgewählt wird, lohnt es ich sich also, sich vorgängig zu informieren. Das empfiehlt auch die Pro Senectute Kursleiterin Diggelmann Doris ihren älteren Kursteilnehmenden. Zum vierten Mal hat sie im Herbst 2015 in Bern den Kurs «Traumprinz im Internet?» angeboten. Dieser Kurs richtet sich speziell an Frauen im Seniorenalter, welche in die Geheimnisse des Online-Datings eingeführt werden möchten. Eine der Teilnehmerinnen war auch die 79jährige Käthy Gerber, welche im Internet nach der grossen Liebe sucht (Video Srf). Foto: Wolfgang, 2008 (verfügbar unter: flickr.com)

Bei den Kursen stellte Diggelmann ernüchtert fest, dass es den Frauen nicht primär an Computerkenntnissen fehlt, sondern am Sich-Verkaufen-Können. Die weibliche schamvolle Zurückhaltung ist (noch) omnipräsent. Sie betont jedoch auch, dass man deutlich spüren könne, dass das Selbstwertgefühl mit jedem Jahrgang steige. Das stimmt positiv. Verkaufen müssen sich die Frauen auf den Plattformen nämlich können, wollen sie Erfolg haben: Demographisch bedingt (Stichwort Lebenserwartung) gibt es um einiges mehr weibliche Profile als männliche.
Ihre Wünsche gezielt zu formulieren fällt aber vielen älteren Frauen sehr schwer: «Viel zu schnell haben ältere Frauen das Gefühl, ein deutlicher Wunsch – zum Beispiel keinen pflegebedürftigen Mann zu suchen – wirke anmassend.» (Diggelmann Doris)

Viele der älteren Generation geben auch nicht gerne zu, sich auf Singlebörsen zu tummeln und verheimlichen dies oftmals sogar vor ihren Kindern und Freunden. Diese Verheimlichung scheint aber ungerechtfertigt, würden Söhne und Töchter, so Keel (2015, S.12), „in der Regel positiv reagieren“, wenn ein Elternteil nach dem Tod oder Scheidung des Ehemannes im Internet wieder ein «Gspänli» fürs Alter sucht. Kinder würden ihren Eltern auch oft helfen beim Einrichten eines Profils in einer Dating-Plattform oder beim Zurechtfinden darauf.

Mut und Ausdauer, ein dickes Fell und Enttäuschungen wegstecken können – diese Eigenschaften braucht Senior/-in, damit nach Auslaufen des (ersten) Abos nicht resigniert die Hoffnung nach dem zweiten Frühling endgültig aufgegeben wird.

Projekt Silberwissen – Senioren schreiben an der Wikipedia

Silberwissen

„Die wachsende Zahl von aktiven älteren Menschen, ihre Lebenserfahrung und ihr Wissen, stellen ein Potenzial dar, das für die Online-Enzyklopädie Wikipedia besser genutzt werden sollte.“ (Richter Pavel, Geschäftsführer Wikimedia Deutschland, thirdageonline.eu)

„Projekt Silberwissen-Logo“, Pung Johanna, 2011 (verfügbar unter: wikimedia.org)

Ältere Menschen verfügen über grosse Erfahrung und einzigartiges Wissen, welches verloren wäre, würde es nicht an die nächste Generation weitergegeben. Wikipedia als freie Internetenzyklopädie, böte hier eine perfekte Plattform, um eben dieses Wissen zu bündeln und den Erfahrungsschatz von Senioren „haltbar“ zu machen.

Es wurde jedoch festgestellt, dass die Älteren (50plus) unter den Autor(inn)en der Wikipedia deutlich unterpräsentiert sind. Dementsprechend fehlt auch das Wissen dieser Altersgruppe in der Wikipedia. Aus diesem Grund hat Wikimedia Deutschland im Oktober 2010 das Projekt Silberwissen im Rahmen des übergeordneten Projekts Third Age Online (TAO) ins Leben gerufen. Das bis Ende 2012 dauernde Projekt setzte sich dafür ein, dass Senioren an die Internetenzyklopädie herangeführt werden und möglichst viele ältere Menschen als Wikipedianer gewonnen werden.

Aber wie können Menschen, für welche das Internet, geschweige denn das Wort „Kooperative Zusammenarbeit“, zumeist ein Novum darstellt, überhaupt dazu gebracht werden, ihr Wissen in der Wikipedia zu teilen?  Im Projekt Silberwissen geschah das Gewinnen, Motivieren und Aktivieren der Senioren als längerfristige Wikipedia-Autor(inn)en mittels dreier „Module“, auch Workshops genannt. Diese konnten je nach Bedarf in Anspruch genommen werden.

An einer Erstveranstaltung informierten und motivierten Wikipedia-Autor(inn)en die älteren Menschen, mitzumachen und sie für die Idee des Freien Wissens zu begeistern. Auch wurde versucht, Ihnen die Angst und das oftmals vorherrschende Unverständnis ob der dezentralen Arbeitsweise der Wikipedia (als „chaotische Zusammenarbeit“ bezeichnet), zu nehmen. Gewonnen wurden die Teilnehmer, indem bestehende Netzwerke wie Seniorenbildung, Volkshochschulen oder Vereine, welche einen hohen Anteil älterer Menschen aufwiesen, angeschrieben und zu den Veranstaltungen eingeladen wurden. Ziel war es, möglichst viele ältere Menschen anzusprechen.

Silberwissen.jpg „Silberwissen-Workshop mit Chronisten“, 2011. Foto: Schmidt Elvira (verfügbar unter: wikimedia.de)

In einem weiteren Workshop wurde der (kleine) Kreis noch verbleibender interessierter Senioren dann an das Editieren in der Wikipedia herangeführt. Dabei sahen sich die Teilnehmenden einigen Herausforderungen gegenüber: Zum einen die neue und unbekannte Nutzeroberfläche im Bearbeitungsmodus (Wiki-Syntax), die hohen inhaltlichen und formalen Anforderungen, welche an einen Wikipedia-Artikel gestellt werden, sowie der sicheren Fertigkeiten im Umgang mit PC und Internet, welche eine wichtige Voraussetzung für eine Beteiligung als Wikipedia-Autor(in) darstellt. Von den Kursleitern wurde viel Geduld und Verständnis eingefordert. Auch war es äusserst wichtig, den Senioren individuelle Beratung anbieten zu können.
Im dritten und letzten Modul wurden fortgeschrittenere Themen wie das Hochladen eigener Fotos und das Verknüpfen mit Artikeln behandelt sowie grundlegende Informationen zu freien Lizenzen gegeben.

Zum Abschluss des Projekts Silberwissen stimmten sowohl die Referenten als auch die Teilnehmenden damit überein, dass drei Veranstaltungen für die Mehrheit nicht ausreicht um in die Wikipedia einzuführen und während der ersten Schritte zu begleiten. Viele Fragen, so stellte man fest, entstehen erst mit einer höheren Aktivität.

Rund 50 Prozent der Teilnehmenden waren nach Abschluss des jeweiligen Kurses der Auffassung, weiterhin bei Wikipedia tätig sein zu wollen. Dieses Ergebnis zeigt, dass Silberwissen durchaus ein erfolgreiches Projekt war. Mit dem Projekt  hat die Wikimedia Deutschland Neuland betreten. Die Erfahrungen, welche in diesem Projekt gemacht wurden, fliessen jedoch in Wikimedia-Projekte anderer Länder wie aktuell der Niederlande oder Polen, mit ein.

Quellen: Schmidt Elvira, 2013, S.97-105 sowie Richter Pavel, 2012, S.330-337

Zuhause wohnen dank intelligenter Technik

Die Schweizer Bevölkerung wird immer älter. Bis im Jahr 2030 wird jede vierte Person in der Schweiz über 65 Jahre alt sein, rund 700’000 gar über 80 Jahre. Dabei ist das Bedürfnis gross, möglichst lange, möglichst unabhängig in den eigenen vier Wänden zu wohnen (Stichworte: „zuhause alt werden„, „ageing in place“ und „ambulant vor stationär„). Dabei hilft nicht nur die passende bauliche Gestaltung der Wohnung (Stichwort: Hindernisfreiheit), sondern immer mehr auch die Integration von smarter (Gebäude-)Technik. Denn hat man eine Technik in der Wohnung, die mitdenkt, mithilft und unterstützt, lässt es sich länger eigenständig und doch bequem leben. Das Stichwort hier heisst AAL.

Ambient Assisted Living (AAL), zu Deutsch etwa umgebungsunterstütztes Leben, meint das Einrichten einer unterstützenden, intelligenten Umgebung. Fenster, die sich selber öffnen und schliessen, Raumtemperaturen, die sich selbständig anpassen, Beleuchtungen, die sich ein- und ausschalten oder zentral regeln lassen  – erinnert alles an das Konzept von Smart Homes (wer mehr dazu erfahren möchte, sei der Blog von unseren Mitstudentinnen empfohlen, insbesondere auch ihr Beitrag zu AAL). In der Tat haben die Konzepte viele Berührungspunkte. Bedeutet die sensorgesteuerte Regelung von Raumklima, Beleuchtung, Unterhaltung etc. besonders auch für ältere Menschen eine angenehme Entlastung, bieten die intelligenten Assistenzsystemen (das müssen keine Roboter sein) in AAL-Umgebungen zusätzliche aufs Alter zugeschnittene Unterstützung.

Da es unzählige Projekte, Produkte und Ideen gibt, stelle ich im Folgenden das Projekt DALIA (Daily Life Activities at Home) vor. Durchgeführt wurde es 2012-2016 von einem internationalen Konsortium, beteiligt war auch das iHomeLab der Hochschule Luzern (weitere AAL-Projekte hier). Das ziemlich hohe Ziel des Projekts lautet:

“It is estimated that in 2060 more than a quarter of the European population will be older than 65 years. Consequently, more people will become care-dependent. In most of the cases relatives take the biggest share in caring for their beloved. However, taking care of relatives is often connected to burdens. With our solution DALIA we want to solve that problem.”

Doch wie stellen sie sich das vor? Die Lösung des Problems: ein persönlicher virtueller Assistent. Integriert in ein individuell anpassbares System (abrufbar auf Tablet, Smart TV…), ist er die zentrale Ansprechperson. Dank seiner menschlichen Erscheinung und dank seiner Fähigkeit per Sprache zu interagieren, senkt er die Hemmschwelle gegenüber der Technik und soll vor allem intuitiv bedienbar sein – auch für Personen die nicht technikaffin sind. DALIA fasst in einer einzigen Plattform verschiedenste Anwendungen zusammen. Diese gehen von E-Health-Anwendungen (Gesundheitstracking, Medikamenteübersicht), über Kommunikations- und Erinnerungsfunktionen (Telefon, Kalender) und einer Notruffunktion (die selbst Stürze erkennt) bis zu einer anpassbaren Toolbox (z.B. Lokalisieren von verlorenen Dingen). Authorisierte Personen, wie Verwandte, Pflegepersonal, medizinische Dienste, können schnell und einfach auf Daten zugreifen bzw. in das System eingreifen.

Zentral bei vielen AAL-Umgebungen ist, dass es sich um selbstlernende, mitdenkende und integrierte Systeme handeln. Sie bieten nicht nur massgeschneiderte Problemlösungen an, sondern binden oftmals auch weitere Personen und Dienstleister ein (wie Verwandte, Nachbarn, Sicherheitsunternehmen, telemedizinische Zentren). Wichtig ist aber, all die Sensoren, Tools und Dienstleistungen sind nicht für das gute Gewissen von Angehörigen gedacht, sondern sie sollen den Senioren und Seniorinnen, die mit ihnen leben und ihre Wohnung teilen, ein selbstbestimmtes, sicheres Leben ermöglichen. Die Akzeptanz des Systems ist daher wichtig, aber durch das steigende Interesse von älteren Menschen an Internet, PCs und Co. wird der Markt für die Entwicklung von smarten Lösungen für den Smart Senior bedeutsamer und aussichtsreicher. Der Gewinn an Lebensqualität und Selbstbestimmtheit überwiegt dann auch die permanente Überwachung – jedenfalls nach Jäkel (2015, S. 65-73).

Social Media und die Generation der Silver Surfer

Immer mehr Menschen im Seniorenalter nutzen heute das Internet. Dabei spielen soziale Medien eine zunehmend wichtige Rolle; sowohl für die Nutzenden als auch für die Anbieter. Denn die Silver Surfer sind nicht nur eine kontinuierlich wachsende Gruppe, sondern auch eine tendenziell finanzstarke. Die Nutzung Sozialer Medien durch ältere Menschen ist vielfältig und beschränkt sich nicht auf die Angebote, die speziell auf ihre Zielgruppe zugeschnitten sind. Die heutigen Silver Surfer schreiben bei Wikipedia mit,  unterhalten eigene Weblogs, nutzen Facebook und Twitter. Gerade Facebook erfährt einen grossen Zulauf von älteren Menschen. Die Anzahl der Facebook User über 55 Jahre wuchs in den Jahren zwischen 2011 und 2014 um 80% an (SRF Kultur 2016). Eine aktuelle Studie der Universität Pennsylvania hat das Verhalten von Menschen ab dem 60 Altersjahr auf Facebook untersucht. Laut der Studie sind nebst der Neugierde an der Technologie vor allem die Möglichkeit Kontakte über die eigene Altersgruppe hinaus pflegen zu können Gründe für ein Facebookprofil (siehe auch motherboard).

Social Media Plattformen bieten älteren Menschen einen Mehrwert und können einen Beitrag gegen die Vereinsamung leisten. Zeit- und ortsungebunden bieten sie ihnen die Möglichkeit an der digitalen Gesellschaft teilzuhaben. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Social Media Angebote, die sich speziell an die ältere Generation wenden. Sie sind inhaltlich und vom Design her auf ältere Menschen zugeschnitten und bieten einen geschützten Rahmen in dem die Älteren unter sich sein können. Schwerpunktmässig befassen sie sich mit Themen aus der Lebenswelt der Senioren und Seniorinnen, wodurch sie eine Verbindung zwischen digitaler und realer Welt schaffen (siehe Narr 2013, S. 41) .  Diese Verbindung wird dadurch noch gestärkt, dass viele dieser Plattformen die Menschen nicht nur virtuell miteinander vernetzten, sondern auch durch lokale Gruppentreffen und -aktivitäten in der realen Welt verbinden. Es geht weniger Likes und Selbstdarstellung, als um soziale Kontakte über das Internet hinaus.

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Foto: mkhmarketing, 2013 (verfügbar unter: flickr.com)

Eine generationsübergreifende Plattform ist sozialkontakt.ch. Das Anliegen dieser Seite ist es, Menschen mit gleichen Interessen ortsgebunden zusammenzuführen. Mittels eines Online-inserats kann man sich und seine Interessen präsentieren. Die Webseite spielt  lediglich die Rolle des Vermittlers. Gleichgesinnte finden sich zwar online, die gemeinsamen Aktivitäten finden jedoch in der realen Welt statt. Das Ziel der Betreiber ist es Sozialkontakte zu fördern und damit etwas gegen die Vereinsamung beizutragen.

Seniorbook.de richtet sich seit 2012 an Menschen ab dem 50. Lebensjahr aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Die Plattform bietet vieles was auch Facebook bietet wie Chats, Spiele und die Möglichkeit private Nachrichten zu verschicken. Hinzu kommt eine Vielzahl an redaktionell aufbereiteter Information zu verschiedenen Themen. Wie schon bei sozialkontakt.ch spielt auch hier das Offlineleben eine wichtige Rolle. Mitglieder haben die Möglichkeit sich für gemeinsame Aktivitäten in regionalen Nutzergruppen zu treffen. Noch stärker auf regionale Offlineaktivitäten setzt die bereit 1998 gegründete Plattform feierabend.de.

Wenig Interaktivität dafür ein weites thematisches Angebot an redaktionellen Beiträgen bieten die Seniorenblogger. Täglich wird hier von Senioren und Seniorinnen zu Gesundheit, Sport, Wohnen und vielem mehr gebloggt. Nebst Beiträgen zu Themen wie Treppenlifte und Inkontinenz finden sich auch Tipps für professionelles Webdesign oder die Anmeldung eines neuen Autos per Internet. Wer nicht selbst mitbloggt, kann Kommentare hinterlassen.

Speziell mit der Lebenswelt älterer Frauen befasst sich grossmuetter.ch, Plattform und Think Tank für Frauen im Grossmutteralter. Der Name mag bei einigen die Assoziation einer Plattform zum Austausch von Kuchenrezepten, Strickmustern oder Tipps zur Enkelkinderbetreuung wecken. Das trifft jedoch so gar nicht zu. Im Fokus steht das gesellschaftliche und politische Engagement der Frauen. Es gibt weder persönlichen Profile noch Chats, dafür viele Arbeitsgruppen, Projekte und Foren zur offline Teilnahme, aktuelle Studien, Berichte und vieles mehr.

Robotik in der Alterspflege

Der fortschreitende demographische Wandel sorgt dafür, dass die Zahl der Pflegebedürftigen unerbittlich steigt. Daneben vermindert sich die Anzahl Pfleger pro Patient kontinuierlich. Nirgends sonst ist die Lage so prekär wie in Japan, das Land, welches ebenfalls für seinen technischen Fortschritt bekannt ist. Deshalb ist es auch naheliegend, dass Japan seine Risiken sogleich mit seinen Chancen angeht. Hier sind Roboter schon fester Bestandteil in der Altenpflege.

Auf dem Markt findet man derzeit schon einige Modelle dieser Pflege-Roboter wie z.B. der Hebe-Roboter Ri-Man (hebt Patienten vom Bett in den Rollstuhl oder die Badewanne), der Service-Roboter Care-O-Bot (bedient u.a. die Patienten, kann Blumen giessen und den Fernseher einschalten), der Pflege-Roboter „Hospi“ von Honda (er kann den Patienten die Haare waschen und nimmt Blutdruckmessungen vor) oder Paro, die Therapie-Robbe, welche für Demenzkranke entwickelt wurde (siehe Video). All diese Erfindungen sind einerseits praktische Helfer in der Altenpflege, aber auch berechtigter Kritik unterworfen. Denn die fehlende Akzeptanz gegenüber Pflegerobotern ist durchaus verständlich. Als pflegebedürftiger Mensch schätzt man den sozialen Kontakt genau gleich, wenn nicht noch mehr, wie jeder andere. Sich von einer programmierten Maschine bedienen, pflegen und unterhalten zu lassen entlastet wohl die Pfleger, isoliert dafür die betreuten Personen. Zudem wurden in Japan auch schon Fälle von gewalttätigen Pflegerobotern bekannt.

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Der Care-O-Bot, ein wenig „Mädchen für alles“, dient als praktische Unterstützung in Spitälern und Pflegeheimen.

Foto: Jiuguang Wang (verfügbar unter: Wikipedia)

In Europa setzt man Robotik noch eher zögerlich für Projekte in der Altenpflege ein und geht mit dem Technikeinsatz auch deutlich subtiler vor als in Asien. Dies ebenfalls, da die Bereitschaft der zu Pflegenden vielfach fehlt, sich in die Hände eines Roboters zu begeben. Zudem können sich die teuren Roboter, deren Kosten oft mit dem Wert eines Mittelklassewagens umschrieben werden, schlicht nicht alle leisten. Was dafür an Wichtigkeit zugenommen hat ist der Einsatz vom sogenannten Ambient Assisted Living. Also versteckte Technik im ganzen Haus, welche mittels Sensoren die Senioren in ihren eigenen vier Wänden überwacht und Alarm schlägt, falls jemand stürzt oder auffällig lange keine Bewegungen aufgezeichnet werden.

Auch in der Schweiz steht man dem Einsatz von Pflege-Robotern eher skeptisch gegenüber und sieht den Einsatz der Technik eher in der assistierenden als einer ersetzenden Rolle. Und diese Entscheidung macht auch durchaus Sinn. Einen Menschen kann kein Roboter ersetzen. Für Arbeiten wie Essen verteilen, Messungen vornehmen und als Trainingsgerät ist die Technik durchaus nützlich. Menschliche Aspekte wie eine situative Einschätzung, ein Gespräch oder bloss die Anwesenheit einer anderen Person, was für die Genesung enorm wichtig ist, kann keine Maschine abdecken. Die Pfleger schätzen den Einsatz von Robotern durchaus, denn sie nehmen die körperliche Schwerstarbeit ab und es bleibt mehr Zeit für die Patienten. Es wurde schon festgestellt, dass dadurch die Pfleger auch länger ihrem Job treu bleiben und durch den Technikeinsatz sich vermehrt Männer für diesen eher traditionellen Frauenberuf interessieren. Eine weitere grosse Frage ist die Haftung. Wer steht gerade, wenn etwas mit dem Roboter schiefgeht und er sogar jemanden verletzt? Ausserdem benötigen all diese Roboter eine Überwachung in Form von geschultem Personal, also IT-Fachleute, welche die Maschinen kontrollieren und warten. Dies schlägt sich wiederum auf das Budget aus. Ein wahrer Teufelskreis also, dem Spitäler und Pflege-Einrichtungen zurzeit gegenüber stehen.

Die Silver Gamer kommen – Teil 2: Anforderungen digitaler Spiele für Senioren

Dass digitale Spiele einen gesundheitlichen Nutzen für Senioren erbringen, kann belegt werden. Es liegt aber auch auf der Hand, dass sich nicht alle Spiele in gleicher Weise für ältere Menschen eignen.

Leider sind viele der sich aktuell im Markt befindlichen Spieltechnologien zu komplex und überfordern die Generation 60plus. Viele Spiele sind zudem von der Spielmechanik und vom Thema her auf die jüngere Generation ausgerichtet. Derzeit abgeholt werden Senioren vor allem mit Spielen, welche sich auf Smartphones oder Tablets spielen lassen. Im Gegensatz zu Konsolen liegt hier die Hemmschwelle Technik punkto Bedienbarkeit wesentlich tiefer. Natürlich spielt auch der finanzielle Aufwand eine nicht zu vernachlässigende Rolle. (T-online, 2013)

Aber was muss ein Computerspiel haben, damit es von älteren Menschen gespielt wird? Und was gilt es von den Spielentwicklern spezifischer Spiele für Senioren besonders zu beachten? Mitentwickler des Projekts „Join-In“ (zu deutsch „Mach mit“), einem virtuellen sozialen Netzwerk für Senioren, auf dessen Plattform unter anderem auch Computerspiele angeboten werden, nennen folgende Anforderungen an die Spiele (Zahn und Senger (2012, S.151-152) :

  • Verwendung von eindeutigen Titeln und Beschreibungen für die Spiele; Vermeidung von „Gamer-Sprech“ und Anglizismen
  • Unkomplizierte und geführte Installation der Spiele
  • Nach Möglichkeit bekannte Spielprinzipien aufgreifen – zum Beispiel aus dem analogen Bereich
  • Anbieten von einfachen Spielregeln und verständlichen Anleitungen
  • Ermöglichung von kurzen Spieleinheiten und frei wählbaren Schwierigkeitsstufen
  • Eindeutige und grosse Bedienelemente wählen
  • Verwendung von kontextuellen Steuerungselementen und Hilfestellungen
  • Ergonomische Gamecontroller und Eingabegeräte anbieten
  • Hardware: Gewährleistung der Anpassbarkeit der Benutzerschnittstellen an die Anforderungen der Senioren, da körperliche Einschränkungen mit dem Alter zunehmen und motorische und kognitive Fähigkeiten nachlassen.

Die allergrösste Herausforderung bei der Spielentwicklung sehen die Entwickler aber in der Kommunikation: Wie gelangen die Spiele an die Zielgruppe? Dass ältere Menschen aktiv nach Computerspielen suchen, kann nicht erwartet werden. Ebenso wenig, dass sie sich über die neusten Spiele im Internet informieren. Hier gilt es also unbedingt zu beachten, dass klassische Medien wie Zeitschriften genutzt werden, um die Zielgruppe auf die Spiele aufmerksam zu machen und sie aufzuklären. Weil ältere Menschen die mit den Spielen verbundenen Risiken stärker wahrnehmen (Angst vor Zeitverschwendung, Sucht oder Vereinsamung), sollte vor allem der Nutzen, welchen Serious Games ihnen bieten, kommuniziert werden. (ebd. S.154)

Computerspiele bergen also ein grosses Potenzial für ältere Menschen: Sie machen Spass und schulen wie nebenher auch noch die kognitiven und/oder physischen Fertigkeiten, sind zudem leicht erhältlich, zu Hause stets verfügbar und kosten relativ wenig Geld. Eigentlich perfekt für die Generation 60plus. Aber damit ältere Menschen digitale Spiele auch wirklich nutzen „müssen die Spiele die Senioren dort abholen, wo sie sind: in ihrer Lebenswelt mit generationstypischen Erfahrungen, Wünschen und Bedürfnissen.“  (Zahn und Senger, 2012, S.150 )

Nutzung digitaler Technologien und soziodemographischer Zusammenhang

Ich habe einen Nachbarn, der das Pensionsalter schon lange erreicht hat, dessen Weihnachtsgrüsse ich jährlich per Mail erhalte, mit dem ich schon lange auf Facebook befreundet bin und der mir neulich, als ich ihm sagte, ich würde wieder in einer Buchhandlung arbeiten, mit einem leicht mitleidigen Gesichtsausdruck mitteilte, dass er schon lange nur noch eBooks lese. Und dann gibt es in meinem Bekanntenkreis eine Frau, Endfünfzigerin, die mich vor ein paar Wochen fragte, ob ich denn einen WLAN Anschluss hätte und wie das genau funktioniere. Was, frage ich mich, können Gründe sein, dass sich Menschen im Alter digitalen Technologien zuwenden und was mögen Gründe sein, die zu einer digitalen Verweigerung führen können.

Dieser Frage ist die Pro Senectute in ihrer aktuellen Studie zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien nachgegangen. Befragt wurden Personen ab dem 65 Altersjahr. Dabei hat sich gezeigt, dass die soziodemographischen Merkmale Alter, Geschlecht, Bildung und Einkommen einen grossen Einfluss auf die Nutzung bzw. Nichtnutzung des Internets haben.

Eine grosse Kluft hat sich bei den Geschlechtern gezeigt. Nur 50% aller befragten Frauen gaben an, dass sie das Internet nutzen würden. Bei den Männern hingegen waren es 72%. Ein Grund weshalb Frauen hier markant schwächer abschneiden kann in der Technikaffinität liegen. Viele gaben in der Befragung an, dass sie Mühe mit der Bedienung technischer Geräte haben, bzw. annehmen, dass sie Mühe damit hätten. Ein wichtiger Faktor dabei ist sicher die Technikbiographie. Im Vergleich zu den Frauen gaben viele Männer an, dass sie bereits vor ihrer Pensionierung mit dem Computer bzw. dem Internet zu tun hatten. Manche Frau der heutigen Generation 65+ war nicht bis zur Pensionierung berufstätig bzw. arbeitete in einem eher technikfernen Berufsfeld.

Die Verteilung nach dem Alter zeigt, wie zu erwarten ist, dass mit steigendem Alter auch die Nutzung des Internets abnimmt. 81% der 65-69-Jährigen nutzen das Internet, fast die Hälfte davon täglich. Bei den über 85-Jährigen sind es nur noch 16%. Gerade alte Menschen haben spezielle Bedürfnisse in Bezug auf die Internetnutzung. Probleme mit der Feinmotorik, dem Sehen oder dem Hören können dabei Hürden sein. Hinzu kommen Sicherheitsbedenken, Angst vor technischen Problemen, die Kostenfrage und allgemein Unsicherheiten in Bezug auf die Nutzung.

Je höher der Bildungsgrad ist, desto eher wird der technische Fortschritt befürwortet. Personen mit höherem Bildungsgrad sind auch, wie die Studie zeigt, tendenziell technikaffiner und interessieren sich dementsprechend auch mehr für digitale Technologien bzw. nutzen diese eher. Anders als das Geschlecht und das Alter sind Bildung wie auch Einkommen eine wichtige Ressource für die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien und stehen oft in einem direkten Zusammenhang. Der durchschnittliche Onliner, so hat die Studie gezeigt, hat eine höhere Bildung und mehr Einkommen.

Die soziodemographischen Faktoren alleine entscheiden jedoch nicht über die Nutzung digitaler Technologien im Alter. Die bereits erwähnte Technikaffinität, die Computerbiographie und vor allem die Einstellung digitaler Technologien gegenüber sind weitere wichtige Faktoren. Denn für viele ältere Personen sind das Internet und die damit verbundenen Möglichkeiten eine wichtige Ressource,  wenn es darum geht, möglichst lange ein selbständiges Leben zu führen. Die soziodemographischen Merkmale sind gegeben und lassen sich nicht ändern. Deshalb ist es wichtig, dass Angebote wie die Tablet Heroes, die Seniorenschulung der SBB oder die Kurse der Pro Senectute geschaffen werden, welche ältere Menschen abholen und so mit der Technik vertraut machen, dass sie für sich einen Sinn und Nutzen darin finden.

Mein Nachbar, der Rebel Ager, erfüllt die sozidemographischen Merkmale des typischen Onliners voll und ganz. Das Entscheidende ist jedoch, dass er den Nutzen und die Selbständigkeit erkannt hat, die ihm sein Umgang mit digitalen Technologien bieten. Wohingegen meine Bekannte sich wohl in Richtung Conservative Ager entwickeln wird. Ausschlaggebend dafür sind jedoch nicht ihre soziodemographischen Merkmale, sondern ihre Einstellung neuer Technologien gegenüber.

Die Silver Gamer kommen – Teil 1: Der (gesundheitliche) Nutzen digitaler Spiele für Senioren


Foto: Chris Bowley, 2009 (verfügbar unter: flickr.com)

Denkt man an Computerspiele, dann hat kaum jemand ein Bild vor sich, welches grauhaarige Menschen mit einem Controller in den Händen vor der Playstation zeigt. Dass aber die Zahl der Spieler im Seniorenalter stetig wächst und auch der Markt von Serious Games (besonders beliebt bei der Generation 60plus) einen Aufschwung erlebt, zeigt, dass „Senioren am Zocken“ tatsächlich ein reales Bild unserer Zeit darstellt.

Aber haben Computerspiele auch das Potential, einen Nutzen für ältere Menschen zu erbringen? Und was für Spielekategorien sind bei der Generation 60plus überhaupt gefragt und werden von diesen angenommen? Dieser Blogbeitrag widmet sich in erster Linie dem Nutzen digitaler Spiele für Senioren. Ein weiterer Beitrag über die Anforderungen solcher Spiele wird zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Umfragen zufolge bevorzugen Senioren Spiele, welche einen Mehrwert erbringen. So gehören Ego-Shooter-Games oder Autorennspiele definitiv nicht auf ihre Spielewunschliste. Anklang finden hingegen Bewegungs- und Geschicklichkeitsspiele, Lern- und Logikspiele sowie Gesellschaftsspiele. (Zahn und Senger, 2012, S.143) Alle diese Spiele fallen also unter die Kategorie Serious Games.

Ein gutes Beispiel, welches den gesundheitlichen Nutzen digitaler Spiele auf bemerkenswerte Art und Weise aufzeigt, ist das Projekt Senioren an die Konsole. Für das Projekt, lanciert von zwei Studenten des Studiengangs „Soziale Arbeit“ der Hochschule München 2008, wurde eine Wii Sports Bowling Seniorenmeisterschaft gegründet und insgesamt 55 Veranstaltungen in Seniorenheimen durchgeführt. Interessant zu beobachten war, dass die anfängliche Skepsis der Senioren nach einer intensiven Einführung der Begeisterung für das Spiel an der Konsole und dem Ehrgeiz zu gewinnen wich. Neben dem sozialen und stimulierenden Aspekt, welches das Projekt primär zum Ziel hatte, wurde so wie nebenher noch ein weiteres Ziel erreicht: Aktivierung, Reaktivierung und Förderung von kognitiven und motorischen Bewegungsabläufen. Die zwei Projektverantwortlichen fassen das Feedback der Senioren wie folgt zusammen:

„Die Rückmeldung der Teilnehmer war eindeutig. Alle zeigten sich von der neuen Art zu spielen begeistert. Löblich sei vor allem die Einfachheit der Bedienung des Spielens. Viele gaben auch an, dass es eine sehr willkommene Abwechslung, ja sogar eine Alternative zu den herkömmlichen Karten- und Brettspielen sei.“ (Deindl, Kiener, 2008)

Wii Bowling Seniorenmeisterschaft. Quelle: ZDFinfo, 2008 (verfügbar unter: youtube.com)

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass das gemeinsame Bowling-Spiel (gespielt auf der xbox Kinect) Menschen 80plus (!) genauso viel Spass bereitet und die Beweglichkeit fördert wie Kindern oder Menschen in der zweiten Lebensphase.
Videospiele, welche mit körperliche Aktivität verbunden sind, werden übrigens Exergames genannt.

Ein weiterer gesundheitlicher Nutzen digitaler Spiele liegt in ihrer Möglichkeit, sich virtuellen Gemeinschaften anzuschliessen und gemeinsam zu spielen. Geselligkeit und das Gefühl, nicht allein zu sein, sind nämlich ebenfalls wichtige Aspekte für die Gesundheit. Ein Beispiel hierfür ist der „Silver Song Club“, eine Art Karaokespiel, bei welchem sich beispielsweise allein lebende Senioren online einem Chor anschliessen können. (Zahn und Senger, 2012, S.150)