Silver Surfer im Vergleich

Wir, die Bloggerinnen, erhielten dieses Semester den Auftrag im Fach ESAS (Empirische Sozialforschung) eine Umfrage zu einem freiwählbaren Thema durchzuführen. Die Entscheidung fiel auf Fragen, welche wir sogleich mit unserem Blog in Verbindung bringen können. Wir gestalteten eine Online-Umfrage zum Thema „Alterstrukturen und Nutzung von Internetdiensten“. Als Befragte durften unsere Verwandten, Bekannten und Arbeitskollegen herhalten. Sie wurden von uns in die drei Altersgruppen Digitale Natives (16 – 31 Jahre), Digital Immigrants (32 – 56 Jahre) und Silver Surfer (ab 57 Jahren) aufgeteilt. Dies nach dem Media Use Index 2014 der Y&R Group Switzerland.

Bei der Vorbereitung achteten wir darauf, eine möglichst gute Durchmischung von Alter und Geschlecht unserer Befragten zu erreichen. Die Fragen nehmen zum einen Bezug auf den Besitz und die Nutzung von technischen Geräten, nämlich dem Smartphone, TV, Tablet und Telefon, aber auch konkrete Internetdienste werden zum Thema gemacht. Wir betrachten die Dienste What’s-App, E-Mail, Facebook und Skype mit unserem Fragebogen genauer und stellen gezielt Fragen dazu. Unsere Online-Umfrage finden Interessierte hier, sie wird natürlich nicht mehr ausgewertet.

Nach wenigen Tagen erhielten wir schon von einem Grossteil die Umfrage vollständig ausgefüllt zurück und konnten uns an die Auswertung machen. Für den Blog sind natürlich v.a. die Ergebnisse aus der Altersgruppe der Silver Surfer spannend. Hier nun unsere Erkenntnisse aus der Umfrage:

  • Silver Surfer nutzen das Festnetztelefon noch viel eher, als die anderen beiden Altersgruppen, dafür besitzen sie am wenigsten einen Smart-TV.
  • Im Vergleich zu den jüngeren Altersgruppen, nutzen die Silver Surfer Internetdienste weniger oft, doch 79% der älteren Generation arbeiten mit min. 2 Diensten.
  • Über alle Altersstrukturen hinweg, sind Männer interessierter an den von uns befragten Internetdiensten. Sie nutzen sie signifikant häufiger.
Statistik1
Während die Mail das beliebteste Kommunikationsmittel der Silver Surfer darstellt, nutzen nur wenige von ihnen den Internetdienst Skype.

Grafik: Carina Burch

  • Das Telefon ist das beliebteste Kommunikationsmittel der Silver Surfer, zudem bevorzugen sie sogar den Austausch per Mail dem persönlichen Gespräch.
  • Die Silver Surfer nutzen den Internetdienst What’s-App bis auf die Funktion des Gruppenchats gleich oft wie die jüngere Altersgruppe der Digital Immigrants.
  • Je älter unsere Befragten sind, desto eher besitzen sie mehrere Mail-Adressen.
  • Bei Facebook kennen im Vergleich bloss 60% der Silver Surfer (und somit am wenigsten aller Altersgruppen) mehr als drei Viertel ihrer Freunde persönlich. Wir sind uns nicht sicher, ob die Frage hier falsch verstanden wurde.
  • Der Freundeskreis aus Facebook besteht bei Silver Surfern hauptsächlich aus Familienmitgliedern.
  • Skype wird von allen Altersgruppen aus reiner Gewohnheit weniger genutzt. Das Telefon bleibt das beliebtere Kommunikationsmittel.

 

Statistik2
Mit der ganzen Familie auch online in Kontakt : die ältere Generation nutzt Facebook, um mit den Kindern oder Enkeln in Verbindung zu bleiben.

Grafik: Jennifer Abgottspon

Die sechs von uns im Voraus gebildeten Hypothesen konnten nach der Auswertung nicht allesamt bestätigt werden. Wir mussten feststellen, dass wir die Silver Surfer deutlich unterschätzt hatten. Zum einen vermuteten wir, dass je älter eine Person ist, desto geringer auch ihr Besitz an technischen Geräten sein wird, was nun mit unserer Umfrage deutlich widerlegt wurde. In Sachen Besitz steht die ältere Generation den Jüngeren in nichts nach. Auch bei den Fragen zu Facebook wurden wir überascht, da wir davon ausgingen, dass Senioren ihre Kontakte häufiger auch persönlich kennen als die anderen Altersgruppen. Hierbei könnte es sich aber zudem um ein Missverständnis bei der Frage handeln, da sie allenfalls zu kompliziert gestellt wurde. Laut unserem Ergebnis würde der Grossteil der Silver Surfer weniger als 25% ihrer Facebook-Bekanntschaften regelmässig treffen. Bei Skype zeigte sich sogar, dass es genau umgekehrt ist. Hier wurde vermutet, dass v.a. die Älteren eher zum Telefonhörer greifen, als per Skype zu kommunizieren. In unserer Umfrage ergab sich, dass die Silver Surfer den Internetdienst noch am ehesten bevorzugen.

Statistik3
Gar nicht so altmodisch wie vermutet, die Silver Surfer. Sie nutzen Skype noch eher als ihre jüngeren Vergleichspersonen.

Grafik: Andrey Burnashev

Die Umsetzung dieser Online-Umfrage war für uns alle eine spannende Erfahrung, v.a. da wir sie gleich auf unser Blog-Thema beziehen konnten. Obwohl wir uns dafür schon intensiv mit dem Thema beschäftigten und dabei viele Aha-Erlebnisse hatten, zeigte sich bei dem Fragebogen, dass auch wir noch ein zu konservatives Bild gegenüber der Generation 57+ hatten.

„Digital sein“ und „Alter“ ist kein Gegensatz

Wir bloggen in den kommenden Wochen über „Digitales Altern”, genauer über das Altern und das „alt seins“ in unserer digitalen Gesellschaft. Dabei interessieren uns die Seniorinnen und Senioren als so genannte „digital immigrants“: Menschen, die in eine weitgehend analoge Welt geboren wurden und sich in der digitalen Welt zuerst einmal zurechtfinden müssen wie in einem neuen Land. In einem Land, in dem anders kommuniziert, anders gelebt und anders gearbeitet wird, ein Land das neue Vorteile, aber auch neue Schwierigkeiten mit sich bringt. Einigen gelingt das Einleben, einige haben Schwierigkeiten dabei. Die einen wollen sich in dieser neuen Welt einleben, wollen aktiv daran teilnehmen, andere wiederum nicht. Doch inwieweit kann man sich dieser Entwicklung entziehen? Dieser und weiteren Fragen werden wir nachgehen.

Unser Blog fokussiert sich auf dieses Spannungsfeld von Alter und Technologie. Schwerpunkt bilden Themen die Seniorinnen und Senioren in der Schweiz in Bezug auf neue Technologien beschäftigen und betreffen: von der digitalen Alphabetisierung über silver surfers zu spezifischen Angeboten, wie auch von der Digitalisierung aller wichtigen Lebensbereiche über Exklusion bestimmter Gruppen zu den vielen neuen, kleinen und grossen, Helferchen im Alltag.

Neben allgemeinen Beiträgen und Definitionsversuchen zu einzelnen Begriffen ist der Blog in drei Themenbereiche gegliedert:

Ebenso wenig wie Alter mit Offline-Sein einhergeht, ebenso schwer kann es sein in der digitalen Welt Fuss zu fassen. Unser Blog soll dies mit aktuellen Studien, konkreten Beispielen und persönlichen Erlebnisberichten (wie dem Projetk tablet heroes) zum einen erläutern, aufzeigen und erklären, zum anderen aber auch kritisch hinterfragen, zur Diskussion und zum Nachdenken anregen.

Ob jung oder alt, willkommen in der digitalen Welt (und natürlich auch auf unserem Blog)!