Endspurt für die tablet heroes!

Das viele Üben und die rauchenden Köpfe haben sich gelohnt! Mit einem Postenlauf geht der letzte Kurstag der tablet heroes zu Ende und auch der Workshop in Rüti hat wieder neue Helden am Tablet hervorgebracht.

Nachdem sich die Teams für die individuelle Fragestunde getroffen hatten und so nochmals alle noch offenen Fragen stellen und auf persönliche Interessen eingehen konnten. Einerseits wurden da viele Fragen zu den verschiedenen Apps gestellt, vor allem das SBB-App wollte von einigen genauer betrachtet werden und auch die Navigation war nochmals ein Thema „Also wie komme ich nochmals auf diese Seite wo ich dann ….“.

 

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„Kannst Du uns bitte nochmals zeigen, wo man die Schriftgrösse anpassen kann?“ Am letzten Kurstag wurden die jungen Leiter nochmals für allerlei Tablet-Fragen zu Rate gezogen.

Foto: Anina Peter (verfügbar unter: Infoklick.ch)

Und jetzt können nun alle beweisen, wie gut sie bei den letzten beiden Terminen aufgepasst haben. In der Bibliothek werden 5 Posten mit verschiedenen Aufgaben platziert, wo sich jedes Team durcharbeiten muss, um am Schluss den Titel tablet hero erhalten zu können. Die Seniorinnen müssen für den erfolgreichen Abschluss eine Sprachaufnahme verschicken, ein Cloud-System verwenden, die Onleihe benutzen, Online-Ratgeber aufrufen und eine Postkarte mit der Post-App versenden. Mehr zum Thema unter Infoklick.ch

So ganz seriös wurde die Aufgabe jedoch nicht von allen Teilnehmerinnen gelöst. Einige nutzten die Zeit lieber, um mit ihrem Kursleiter nochmals ein paar individuelle Gerätefragen zu klären und waren so vollends zufrieden. Der Postenlauf deckt mit seinen Aufträgen ein breites Spektrum der Gerätebedienung ab, aber nicht alle wollen das Tablet von A bis Z anwenden können und beschränken sich auf die für sie wichtigsten Funktionen. Der Rest wird vorerst links liegen gelassen getreu dem Motto: „Bis hierher und nicht weiter!“

Das Feedback am Ende des letzten Kurstages ist durchwegs positiv und die Dankbarkeit bei den Seniorinnen ist überaus gross. Vor allem die Arbeit im Zweierteam wird hoch gelobt. So konnte nämlich das Tempo individuell angepasst werden und nur Themen von persönlichem Interesse wurden genauer angeschaut, was für alle hilfreich war. Eine Seniorin hat sich auch sogleich für den nächsten Kurs, welcher voraussichtlich im Herbst stattfinden wird, angemeldet. Auch die Bibliothek darf vom Workshop in Form neuer Nutzerinnen profitieren, denn durch ihr Onleihe-Angebot wird sie nun auch für die neuen tablet heroes interessant.

So, der erste Durchlauf ist im Grossen und Ganzen gut geglückt. Während der Kurse stockte unser WLAN leider immer wieder und die Teams kamen nur langsam im Internet voran. Ich hoffe, dies kann bis im Herbst verbessert werden! Ansonsten verlief der Workshop ohne weitere Zwischenfälle. Auch für mich war es jedes Mal spannend, während der Workshops vor Ort mit dabei zu sein und den Teams ein wenig über die Schulter gucken zu können, sowie im persönlichen Gespräch interessante Dinge zu erfahren.

Was bisher geschah: Hier finden Sie den 1. und 2. Blogbeitrag zu den tablet heroes.

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„Darf man da einfach draufdrücken?“ – Start der tablet heroes in Rüti

Nachdem sich am ersten Kurstag die Teams gebildet haben, starten auch sogleich die Tablet-Lektionen. Auffallend dabei ist, dass sich ausschliesslich Frauen für den Workshop angemeldet haben. Also entweder haben die männlichen Rütner Senioren die Geräte schon im Griff oder Tablets sind nicht so ihr Ding. Wer weiss…
Ein weiterer Punkt ist die Gerätewahl: einige der Seniorinnen haben ihr iPad mitgebracht oder gaben an, sich ein Apple-Produkt zulegen zu wollen. Deshalb würden es viele von ihnen vorziehen, die Schulung auf einem iPad zu erhalten. Die Kursleiter, die ein Apple-Gerät besitzen, haben es daher gleich zu Demonstrationszwecken mitgenommen. Die Bedienung auf Apple-Geräten gilt gemeinhin als einfacher, was ein Grund für dieses Bedürfnis sein könnte. Eine Teilnehmerin besitzt zudem schon ein iPhone, weshalb der Kauf des Apple-Tablets natürlich durchaus Sinn macht.

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Nach der Team-Bildung heisst es „an die Tablets – fertig – los!“. Geduldig erklären die jungen Kursleiter, was sich auf dem Gerät so alles einstellen lässt.

Foto: Anina Peter

Während dem ersten gemeinsamen Workshop spaziere ich ein wenig durch die Bibliothek und besuche abwechslungsweise die über den Tablets brütenden Teams. Beim Thema „Einstellungen“ fällt mir auf, dass einige der Damen von der Möglichkeit der Gerätesicherheit in Form eines Passwortes, PINs oder Musters verwirrt sind. Der Nutzen dahinter ist nicht jeder auf Anhieb klar, sowie was denn dadurch für wen alles gesperrt werde. Auch tauchen oft Fragen zur Sicherheit in Form von „Was gebe ich damit alles von mir preis?“ auf. Man fürchtet sich vor unbewussten Online-Einkäufen und dem öffentlich machen sensibler Daten wie der Kontoangaben. Zudem wird bei der Navigation oft nachgehakt, also „wie kommt man denn nochmals genau zu diesem Menü-Unterpunkt?“ und „Wo muss man klicken um diese Einstellung zu tätigen?“. Beim Erkunden des App-Stores sind viele verblüfft, wie gross und vielfältig das Angebot ist. Einige laden sich sogleich ein paar nützliche Apps herunter und probieren sie aus. Während ein paar Teilnehmerinnen schon sehr gewieft mit den Geräten umgehen, sind andere noch eher unsicher und lassen sich von ihren Kursleitern alles in Ruhe vorzeigen.

Die Gründe, weshalb sich die Seniorinnen für den Kurs angemeldet hatten, sind sehr vielfältig. Einige haben ein Tablet geschenkt bekommen und wollen es sich nun einmal in Ruhe erklären lassen, ohne ständig die Verwandtschaft um Rat fragen zu müssen. Eine Teilnehmerin erklärt mir, dass sie nicht mehr so gut sieht und die grössere Schrift, sowie das helle Display auf dem Tablet es ihr endlich wieder ermöglicht, Bücher lesen zu können. Die bessere Lesemöglichkeit wird im Übrigen von einigen erwähnt. Auf dem Tablet lassen sich Texte problemlos heranzoomen, sind übersichtlicher und die Beleuchtung unterstützt die Leserlichkeit. Eine ältere Dame möchte das Gerät vor allem als Fotoalbum nutzen und hat während dem Kurs sogleich ihr gesamtes Bildmaterial (über tausend Fotos) vom Handy aufs Tablet übertragen. Auch eine Fremdsprache zu erlernen ist für eine Teilnehmerin ein Grund, denn sie möchte mit dem Gerät ihre Englischkenntnisse verbessern.

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Gut gelaunt durch den ersten Kurstag. Neben einer Menge Input zu den Geräten bleibt auch genügend Zeit für spannende Gespräche.

Foto: Anina Peter

Als ich so die Gespräche belausche kommt mir auch gleich das Stichwort „Generationenübergreifend“ in den Sinn. Zwischen dem Erklären und der Demonstration der Tablet-Funktionen plaudern die Seniorinnen munter mit ihren jungen Kursleitern und erzählen aus vergangenen Zeiten. Auch das Interesse des Gegenübers ist gross, man fragt einander aus über Gott und die Welt und baut sofort eine sehr freundschaftliche Beziehung zueinander auf. Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Kurstag!

Sie wollen mehr zum Kurs erfahren? Lesen Sie hier den ersten Blog-Beitrag über die Tablet Heroes.

„Live fast, die young“ – die Rebel Ager erfinden das Alter neu

Ein weiteres, von der GDI-Studie Digital Ageing (Samochowiec et. al. 2015) entworfenes Szenario des Alterns ist das Rebel Ageing. Im Gegensatz zu den Conservative Ager, welche vor allem die Bewahrung anstreben, sind die Rebel Ager im höchsten Masse wachstumsorientiert: Sie sind offen für Neues, wollen neue Fähigkeiten erlernen, neue Menschen kennenlernen, Sport treiben, reisen,…., konsumieren, konsumieren, konsumieren. Und das alles im Pensionsalter! In diesem nämlich sehen sie nicht das Anfang vom Ende sondern die Chance, alles dasjenige zu tun, auf welches sie Zeit ihres Arbeitslebens keine Zeit gehabt haben.

So wundert es auch wenig, dass die Rebel Ager nichts mit dem Wort „Alt“ anfangen können. Mit diesem identifizieren sie sich nämlich überhaupt nicht. Im Gegenteil: Sie fühlen sich jung und glauben ein hohes Alter zu erreichen. Wie die Umfrageresultate der GDI-Studie Digital Ageing (Samochoview et al. 2015, S.45) zeigen, haben diejenigen Pensionäre, welche ebendiese Einstellung haben und nicht denken, die besten Jahre seinen bereits vorbei, eher Wachstumsziele.

Auf neue Technologien wollen die Rebel Ager nicht angewiesen sein. Sie lehnen diese aufgrund ihrer Offenheit jedoch nicht ab und nutzen sie als Mittel zum Zweck: Digitale Technologien werden benutzt, um in der analogen Welt mehr Spass zu haben. Da sie alles dafür tun, um dem Etikett „Alt“ zu entgehen, gehen sie nicht nur mit der Mode, sondern wollen auch stets über die neuste mobile Elektronik verfügen.

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Foto: Wetmount (verfügbar unter: www.pixabay.com)

Obwohl „Selbstverwirklichung“ ganz oben auf der Wunschliste steht, können die Rebel Ager aber durch ihre Offenheit, zeitlichen Flexibilität, grossen Erfahrung und Motivation, etwas zu verändern auch eine grosse Bereicherung für die Gesellschaft sein. Dank dem Internet lassen sich auch unkonventionellere und experimentelle Projekte eher und leichter umsetzten, was diesem Alterstyp entgegenkommt: Mit ein paar Klicks kann man heutzutage ein Bed & Breakfast managen, fremden Menschen beim Zusammenstellen eines lästigen IKEA-Möbels helfen oder einem Menschen am anderen Ende der Welt Sprachkurse erteilen. Ein aktuelles Beispiel aus der Schweiz ist die Online-Plattform Rent a Rentner, wo man Rentnerinnen und Rentner für genau solche Dinge „mieten“ kann. So bieten Sharing-Plattformen, auf welchen Sprachkurse angeboten und in Anspruch genommen werden können genauso wie Kontaktbörsen, wo z.B. Gleichgesinnte für ein Reiseabenteuer zu finden sind den perfekten Nährboden für die Wachstumsbedürfnisse der Rebel Ager.

Auf der einen Seite benötigen die Regel Ager also digitale Technologien um sich selbst zu verwirklichen, auf der anderen Seite geben sie ihnen aber auch die Möglichkeit, sich in der Gesellschaft sinnvoll einzubringen. „Wichtig für eine Gesellschaft ist es, dass sie die Hürden für die Rebel Ager, sich für die Gemeinschaft einzusetzen, verringert.“ (Samochoview et al. 2015, S.48) Denn nur so könne das riesige Potential dieser auch genutzt werden.

Conservative Ageing – die klassische Form des Alterns

Die GDI-Studie Digital Ageing (Samochowiec et. al. 2015) geht, wie hier erwähnt, von vier Szenarien des Alterns in einer digitalen Welt aus. Der erste Typ sind die conservative agers  (Samochowiec et. al. 2015, S. 39-43), die klassischen, klischeehaften „Alten“. Menschen, die zufrieden sind mit dem was sie können und wie ihr Alltag funktioniert: Einzahlungen werden am Postschalter gemacht, Geld wird am Bankschalter abgehoben. Fernsehschauen und Radio hören ja, aber einen Computer bedienen und im Internet surfen: Nein, das möchten sie nicht. Sie geniessen ihr Leben ohne all das „neumodische Zeugs“.

„Es geht Ihnen nicht darum, neue Fähigkeiten zu erlernen, neue Menschen kennenzulernen oder neue Erfahrungen zu sammeln, sondern eher darum sich auf Altbewährtes zu konzentrieren.“ (Samochowiec et al. 2015, S. 39)

Im Rentenalter suchen diese „Alten“ keine neuen Herausforderungen, sondern übernehmen klassische Rollen wie z.B. die Enkelbetreuung. Sie sind zufrieden mit dem was sie haben, sie nehmen das Alter hin, sträuben sich nicht dagegen und versuchen alles so zu lassen wie es ist. Sie entgehen der Hektik der Gesellschaft, entziehen sich schnelllebigen Trends und vielen materiellen Besitztümern.

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Foto: Marina Shemesh (verfügbar unter www.publicdomainpictures.net)

Die conservative agers brauchen keine technologischen Neuerungen, neue Angebote und Online-Dienstleistungen. Neue Technologien wenden sie nur bedingt und restriktiv an, ganz entziehen können sie sich ihnen aber nicht. Die Digitalisierung der Gesellschaft schreitet fort, vieles was während Jahrzehnten immer gleich funktionierte, funktioniert nun nicht mehr oder einfach anders. SBB-Ticketautomaten, E-Banking oder Online-Angebote bereiten konservativ eingestellten „Alten“ grosse Schwierigkeiten – vor allem wenn die Alternativen dazu verschwinden. Das stellt einerseits die conservative agers vor grosse Hindernisse an der Gesellschaft teilzunehmen. Andererseits sind sie aber auch für die Gesellschaft eine Herausforderung, indem sie Neuem gegenüber misstrauisch sind und Innovationen bremsen. Wichtig ist es, den Austausch zwischen der digital modernen Jugend und den rückwärtsgewandten conservative agers zu gewährleisten, wenn der gesellschaftliche Zusammenhalt nicht gefährdet werden soll.

Was die Verbreitung dieses Alterstyps angeht, zeigt sich, dass das klassische Altern in der digitalen Welt längst nicht mehr der Standard ist. Haben vor allem jüngere Menschen noch ein eher konservatives Bild vom Alter, zeigt die GDI-Studie, dass Altern längst nicht mehr nur in der klassischen industriellen Form geschieht. Die „neuen Alten“ verändern das Bild vom Alter und Altern.