App in ein gutes Leben!

Apps, diese kleine Helferchen, die auf Smartphones, Tablets und Co. das Leben von Millionen von Menschen unterstützen, bereichern und ausfüllen. Apps, die es für (fast) alle Lebenslagen gibt und das oft noch in vielen verschiedenen Versionen. Apps, die es in einer unwahrscheinlichen Fülle gibt – in den beiden führenden App Stores von Apple und Google finden sich weit über eine Million Apps. Und doch: Apps für Senioren sind rar.

Natürlich können Senioren und Seniorinnen die Millionen vorhandenen Apps nutzen (und sie machen es auch!), natürlich ist ein Grossteil der Apps (von der Game-App bis zur Kalender-App) für alle Generationen gedacht und gemacht – doch warum wird nur selten auf Bedürfnisse dieser Altersgruppe eingegangen? Der Anteil der über 65-Jährigen, die in der Schweiz ein Smartphone oder Tablet haben steigt (Seifert/Schelling 2015). Da liegt ein grosses Potenzial für den App-Markt ziemlich brach. Florian Hübner, Entwickler der App «Seniorenchat» erklärt das so:

Denn Hübner hat schnell erkannt, dass sich das Angebot von Apps für Senioren in engen Grenzen hält und es sich um ein „für viele Unternehmen unattraktives Segment“ handelt: „Der Markt ist relativ groß, aber es fokussiert sich alles auf die Jugend.“(merkur.de, 29.3.16)

Ich habe mich für unsere Schulung selber auf die Suche nach spezifischen Apps für Senioren gemacht und habe dabei doch einiges erfahren, aber auch begriffen. Hier einige der vorgestellten und diskutierten Apps:

  • Are you okay?: Mit dieser App können durch einen Klick vordefinierte Meldungen wie(«Not well», «fine» etc.) an einen eingestellten Kreis von Personen versendet werden.
  • Magniscope: Durch die Kamera Text wie mit einer Lupe vergrössern? Idee ist gut, funktioniert leider nicht zuverlässig und braucht ziemliche Übung.
  • Silverline: Beispiel einer vereinfachten, integrierten Bedienungsoberfläche. An einem zentralen Ort sind alle wichtigen Funktionen versammelt. Hilfreich für Neulinge, die nur die eingeschränkten Möglichkeiten eines mobilen Geräts nutzen möchten.
  • Silver Surf: Browser für Senioren. Die Symbole sind zwar grösser, die zu grosse Anzahl an Symbolen, die Verzerrung der Webinhalte und Mängel in der Bedienung machen die gute Idee aber zunichte. Weniger wäre mehr.
  • My Secretary: Gute, einfach bedienbare Speech-to-text-App, die ein flexibles Weiterleiten der Nachrichten ermöglicht.
  • NZZ E-Paper: als Beispiel der vielen Lese-Apps (Bücher, Zeitschriften, Zeitungen). Die Bedienung ist ziemlich einfach. Leider ist die maximale Schriftgrösse relativ klein.
  • Tablet Basics: Gut gemachtes, geführtes Einführungs-Tutorial in die Bedienung des iPads. Nur in Englisch verfügbar.
  • Neuronation: Gedächtnistraining-App. Nicht nur für Senioren, macht allen Spass.

Erkenntnis

Doch welche Bedürfnisse haben Senioren und Seniorinnen eigentlich? Das herauszufinden, war das Ziel des Projekts MOBISENIORA. Neben den inhaltlichen Aspekten der Apps, so sind Medizin, Gesundheit, Wohnen und Kontakte wichtige Themen (und hier muss die Entwicklung von speziellen Apps ansetzen), ist vor allem die Bedienbarkeit der Apps entscheidend (Amann-Hechenberger et al. 2015). Die im Rahmen des Projekts entstandene Guideline für die App-Entwicklung macht deutlich, dass es um lesbare Schriften, klare Benutzerführung, einfache Texteingabe, leicht erkennbare, gut zu treffende Icons und Links sowie Hilfestellung innerhalb der App geht. Wünschen wir uns das nicht alle?

«Passt man Apps an die Bedürfnisse von SeniorInnen an, erhöht das die einfache Bedienbarkeit für ALLE Zielgruppen.» (Mobiseniora.at)

Endspurt für die tablet heroes!

Das viele Üben und die rauchenden Köpfe haben sich gelohnt! Mit einem Postenlauf geht der letzte Kurstag der tablet heroes zu Ende und auch der Workshop in Rüti hat wieder neue Helden am Tablet hervorgebracht.

Nachdem sich die Teams für die individuelle Fragestunde getroffen hatten und so nochmals alle noch offenen Fragen stellen und auf persönliche Interessen eingehen konnten. Einerseits wurden da viele Fragen zu den verschiedenen Apps gestellt, vor allem das SBB-App wollte von einigen genauer betrachtet werden und auch die Navigation war nochmals ein Thema „Also wie komme ich nochmals auf diese Seite wo ich dann ….“.

 

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„Kannst Du uns bitte nochmals zeigen, wo man die Schriftgrösse anpassen kann?“ Am letzten Kurstag wurden die jungen Leiter nochmals für allerlei Tablet-Fragen zu Rate gezogen.

Foto: Anina Peter (verfügbar unter: Infoklick.ch)

Und jetzt können nun alle beweisen, wie gut sie bei den letzten beiden Terminen aufgepasst haben. In der Bibliothek werden 5 Posten mit verschiedenen Aufgaben platziert, wo sich jedes Team durcharbeiten muss, um am Schluss den Titel tablet hero erhalten zu können. Die Seniorinnen müssen für den erfolgreichen Abschluss eine Sprachaufnahme verschicken, ein Cloud-System verwenden, die Onleihe benutzen, Online-Ratgeber aufrufen und eine Postkarte mit der Post-App versenden. Mehr zum Thema unter Infoklick.ch

So ganz seriös wurde die Aufgabe jedoch nicht von allen Teilnehmerinnen gelöst. Einige nutzten die Zeit lieber, um mit ihrem Kursleiter nochmals ein paar individuelle Gerätefragen zu klären und waren so vollends zufrieden. Der Postenlauf deckt mit seinen Aufträgen ein breites Spektrum der Gerätebedienung ab, aber nicht alle wollen das Tablet von A bis Z anwenden können und beschränken sich auf die für sie wichtigsten Funktionen. Der Rest wird vorerst links liegen gelassen getreu dem Motto: „Bis hierher und nicht weiter!“

Das Feedback am Ende des letzten Kurstages ist durchwegs positiv und die Dankbarkeit bei den Seniorinnen ist überaus gross. Vor allem die Arbeit im Zweierteam wird hoch gelobt. So konnte nämlich das Tempo individuell angepasst werden und nur Themen von persönlichem Interesse wurden genauer angeschaut, was für alle hilfreich war. Eine Seniorin hat sich auch sogleich für den nächsten Kurs, welcher voraussichtlich im Herbst stattfinden wird, angemeldet. Auch die Bibliothek darf vom Workshop in Form neuer Nutzerinnen profitieren, denn durch ihr Onleihe-Angebot wird sie nun auch für die neuen tablet heroes interessant.

So, der erste Durchlauf ist im Grossen und Ganzen gut geglückt. Während der Kurse stockte unser WLAN leider immer wieder und die Teams kamen nur langsam im Internet voran. Ich hoffe, dies kann bis im Herbst verbessert werden! Ansonsten verlief der Workshop ohne weitere Zwischenfälle. Auch für mich war es jedes Mal spannend, während der Workshops vor Ort mit dabei zu sein und den Teams ein wenig über die Schulter gucken zu können, sowie im persönlichen Gespräch interessante Dinge zu erfahren.

Was bisher geschah: Hier finden Sie den 1. und 2. Blogbeitrag zu den tablet heroes.

„Darf man da einfach draufdrücken?“ – Start der tablet heroes in Rüti

Nachdem sich am ersten Kurstag die Teams gebildet haben, starten auch sogleich die Tablet-Lektionen. Auffallend dabei ist, dass sich ausschliesslich Frauen für den Workshop angemeldet haben. Also entweder haben die männlichen Rütner Senioren die Geräte schon im Griff oder Tablets sind nicht so ihr Ding. Wer weiss…
Ein weiterer Punkt ist die Gerätewahl: einige der Seniorinnen haben ihr iPad mitgebracht oder gaben an, sich ein Apple-Produkt zulegen zu wollen. Deshalb würden es viele von ihnen vorziehen, die Schulung auf einem iPad zu erhalten. Die Kursleiter, die ein Apple-Gerät besitzen, haben es daher gleich zu Demonstrationszwecken mitgenommen. Die Bedienung auf Apple-Geräten gilt gemeinhin als einfacher, was ein Grund für dieses Bedürfnis sein könnte. Eine Teilnehmerin besitzt zudem schon ein iPhone, weshalb der Kauf des Apple-Tablets natürlich durchaus Sinn macht.

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Nach der Team-Bildung heisst es „an die Tablets – fertig – los!“. Geduldig erklären die jungen Kursleiter, was sich auf dem Gerät so alles einstellen lässt.

Foto: Anina Peter

Während dem ersten gemeinsamen Workshop spaziere ich ein wenig durch die Bibliothek und besuche abwechslungsweise die über den Tablets brütenden Teams. Beim Thema „Einstellungen“ fällt mir auf, dass einige der Damen von der Möglichkeit der Gerätesicherheit in Form eines Passwortes, PINs oder Musters verwirrt sind. Der Nutzen dahinter ist nicht jeder auf Anhieb klar, sowie was denn dadurch für wen alles gesperrt werde. Auch tauchen oft Fragen zur Sicherheit in Form von „Was gebe ich damit alles von mir preis?“ auf. Man fürchtet sich vor unbewussten Online-Einkäufen und dem öffentlich machen sensibler Daten wie der Kontoangaben. Zudem wird bei der Navigation oft nachgehakt, also „wie kommt man denn nochmals genau zu diesem Menü-Unterpunkt?“ und „Wo muss man klicken um diese Einstellung zu tätigen?“. Beim Erkunden des App-Stores sind viele verblüfft, wie gross und vielfältig das Angebot ist. Einige laden sich sogleich ein paar nützliche Apps herunter und probieren sie aus. Während ein paar Teilnehmerinnen schon sehr gewieft mit den Geräten umgehen, sind andere noch eher unsicher und lassen sich von ihren Kursleitern alles in Ruhe vorzeigen.

Die Gründe, weshalb sich die Seniorinnen für den Kurs angemeldet hatten, sind sehr vielfältig. Einige haben ein Tablet geschenkt bekommen und wollen es sich nun einmal in Ruhe erklären lassen, ohne ständig die Verwandtschaft um Rat fragen zu müssen. Eine Teilnehmerin erklärt mir, dass sie nicht mehr so gut sieht und die grössere Schrift, sowie das helle Display auf dem Tablet es ihr endlich wieder ermöglicht, Bücher lesen zu können. Die bessere Lesemöglichkeit wird im Übrigen von einigen erwähnt. Auf dem Tablet lassen sich Texte problemlos heranzoomen, sind übersichtlicher und die Beleuchtung unterstützt die Leserlichkeit. Eine ältere Dame möchte das Gerät vor allem als Fotoalbum nutzen und hat während dem Kurs sogleich ihr gesamtes Bildmaterial (über tausend Fotos) vom Handy aufs Tablet übertragen. Auch eine Fremdsprache zu erlernen ist für eine Teilnehmerin ein Grund, denn sie möchte mit dem Gerät ihre Englischkenntnisse verbessern.

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Gut gelaunt durch den ersten Kurstag. Neben einer Menge Input zu den Geräten bleibt auch genügend Zeit für spannende Gespräche.

Foto: Anina Peter

Als ich so die Gespräche belausche kommt mir auch gleich das Stichwort „Generationenübergreifend“ in den Sinn. Zwischen dem Erklären und der Demonstration der Tablet-Funktionen plaudern die Seniorinnen munter mit ihren jungen Kursleitern und erzählen aus vergangenen Zeiten. Auch das Interesse des Gegenübers ist gross, man fragt einander aus über Gott und die Welt und baut sofort eine sehr freundschaftliche Beziehung zueinander auf. Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Kurstag!

Sie wollen mehr zum Kurs erfahren? Lesen Sie hier den ersten Blog-Beitrag über die Tablet Heroes.

Tablet heroes – verbind@.ch

Dieser generationenübergreifende Kurs von infoklick.ch (Kinder- und Jugendförderung Schweiz) gibt es nun seit eineinhalb Jahren und wurde schon an diversen Standorten im ganzen Land durchgeführt. Mehr Informationen findet man unter der Homepage von Infoklick.

Diesen Monat startet der Kurs zum ersten Mal an meinem Arbeitsort, der Gemeindebibliothek Rüti-Dürnten. Ziel dabei ist es, dass engagierte junge Menschen der Generation 55+ die Bedienung von Tablets erklärt. Vorwissen braucht es dafür keines und auch der Besitz eines eigenen Geräts ist nicht vorgeschrieben. Für die Kursdauer erhält jeder Teilnehmer ein Übungs-Tablet (gesponsert von Samsung) und wer bereits ein Gerät besitzt, darf dieses mitnehmen. Dieser dreiteilige Workshop beginnt mit grundlegenden Aufgaben wie dem Vornehmen von Einstellungsänderungen und man arbeitet sich in 2-er Teams (je ein Senior und ein Jugendlicher) dann langsam vor, lernt nützliche Apps kennen, macht sich Gedanken zu Gerätesicherheit und es bleibt immer genügend Zeit, viele Fragen zu stellen.

Im Voraus treffen sich eine Gruppe angehender Kursleiter in der Bibliothek, um zusammen mit der Betreuerin von Infoklick.ch, alles Kommende zu besprechen. Denn bevor man sich mit einem Senior zusammensetzt, muss jeder Jugendliche noch entsprechend geschult werden. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde steht auch schon die erste Aufgabe an. Die Gruppe muss einen Slogan entwickeln, welcher kurz und knapp den Kurs umschreibt. Des Weiteren soll dieser Slogan dann mit den eigenen Körpern buchstabiert, von jemandem fotografiert und mit der geeigneten App bearbeitet werden.

Schnell werden Ideen gesammelt, über die geeignete Sprache diskutiert (Englisch oder doch lieber Schweizerdeutsch?) und was im Fokus stehen soll (das Miteinander, das Generationenübergreifende).

Man einigt sich nach kurzer Zeit auf den Slogan: verbind@.ch -> passt perfekt!

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Die Kursleiter stellen ihren selbst kreierten Slogan höchst persönlich vor.

Foto: Anina Peter von Infoklick

Im Anschluss werden die Inhalte der nächsten Kurse besprochen. Jeder Jugendliche trifft sich 3 Mal mit einem Senior und arbeitet Schritt für Schritt durch eine vordefinierte Check-Liste. Tablet heroes umfasst je 2 Basis- und Aufbau-Module. Beim ersten Treffen stehen die Basics der Tabletnutzung im Vordergrund, der 2. Termin ist als Fragestunde gedacht. Nach dem ersten Treffen haben die Senioren eine Woche Zeit, sich mit dem neu erworbenen Wissen auseinanderzusetzen und zu vertiefen. In der Fragestunde können sie dann die Dinge ansprechen, welche sie genauer interessieren z.B. ein bestimmtes App erkunden oder Probleme diskutieren, was Schwierigkeiten bereitet bei der Tabletnutzung.

Die 4 Module im Überblick:

Basis 1 (Grundlegende Nutzung): Nutzer-Konto und WLAN einrichten, Benachrichtigungstöne/Einstellungsänderungen vornehmen, Menü einrichten und sich mit dem Webbrowser vertraut machen.

Basis 2 (Apps kennenlernen, Sicherheit & Datenschutz): App-Store erkunden und die nützlichsten Gratis-Apps anschauen/testen, Virenschutz, Datensicherung, Gerätesicherheit, Datenverschlüsselung. Die Teilnehmer bekomme dazu empfohlene Apps, die sie gleich anwenden können. Der Link von web.de wird dabei empfohlen.

Aufbau 1 (Kommunikation, Organisation und Sharing): Telefonieren, Chatten -> Skype, Mails, Fotos/Notizen sharen, Social Media (FB, Twitter, Instagram), Kontakte, Kalender, Dokumente verwalten, Notizen und Erinnerungen erfassen.

Aufbau 2: je nach persönlichem Interesse (Fotografie, Film, Lesen (Dibiost), Spielen, Reisen, Essen&Trinken, Sport etc.

Da die Kurse immer in Bibliotheken stattfinden, liegt das Augenmerk, je nach Region auf dem Angebot der Onleihe von Dibiost.

Neben der Besprechung dieser Kursteile wird auf den korrekten Umgang mit den Senioren wert gelegt. Die Jugendlichen sollen darauf achten, geduldig und langsam voranzugehen, viel zu loben und schnell einen guten Draht herzustellen (Begrüssen, Vorstellen, aus dem Leben erzählen). Ebenfalls sollen schnell Vorkenntnisse ermittelt werden, man soll wenig Theorie, dafür viel Praxis einbringen, Zeit geben für Fragen/eine Reflexion am Schluss und immer wieder Pausen machen, damit sich das Gelernte ein wenig setzen kann.

Nach dem ersten Kurstag in Rüti wirken alle Jugendlichen motiviert und bereit für das Treffen mit den Senioren. Die Gruppe arbeitete sich gut durch die Ausbildung und alle verstanden sich auf Anhieb prima miteinander. Da kann dem nächsten Samstag nichts mehr im Weg stehen.